
Mit Chimi, Jamie und Schimmi in Bhutan
Mensch, hab‘ ich hier schon lange nichts mehr gepostet! Und das, obwohl sich seit meinem letzten Beitrag Manifestiertes Wunder die wundersamen Ereignisse in meinem Leben einfach fortgesetzt haben! Zum Beispiel mit der gefühlt abenteuerlichsten Reise ever, die ich vor einigen Monaten angetreten habe.
Für die Eiligen unter euch hier zunächst eine Kurzfassung
- Ende September aus heiterem Himmel das dringende Bedürfnis verspürt, zum ersten Mal in meinem Leben nach Bhutan zu reisen
- einige Tage später ohne notwendiges Visum und ohne notwendige Buchung eines Touristen-Führers nach Bhutan geflogen (Was wäre die Alternative gewesen? Wegen eines fehlenden Stück Papiers zu Hause bleiben?)
- von den gebuchten Flügen wurde die Hälfte kurzfristig gecancelt und musste von mir jeweils, quasi „on the fly“, umgebucht werden
- dem fiel auch die Zwischen-Übernachtung im Miracle Transit Hotel im Bangkoker Flughafen zum Opfer (da hat auch der Name nicht geholfen…)

Landeanflug auf Paro vor Himalaya-Kulisse. Es gibt nur 17 Piloten, die hier landen dürfen.
- im spontan gefundenen Ersatz-Hotel in Bangkok das Angebot einer Aufwertung meiner „One Night in Bangkok“ durch eine 3-stündige Thai-Massage gern angenommen und sehr genossen
- am nächsten Tag unmittelbar vor Grenzübertritt Visum auf meinem Phone erhalten

Blick aus dem Golden Paddy Field.
- meine Hotel-Buchung über Booking.com stellte sich vor Ort in Paro als Fake-Buchung heraus
- netter Inhaber des nicht-gebuchten Hotels klapperte mit mir 2 Stunden lang die Hotels in Paro ab, bis wir das Golden Paddy Field fanden, das mich aufnahm
- zurück in seinem Hotel lud er mich auf ein Frühstück ein, während zeitgleich Jamie an seiner Rezeption mit einer Booking.com-Buchung aufkreuzte … und dann auch im Golden Paddy Field landete
- am selben Tag in einem Mobilfunk-Laden in Paro der Verkäuferin erzählt, dass ich noch keinen Touristen-Führer habe, der mich ins Tiger’s Nest bringen kann
- Sie: „Moment! Ich rufe Chimi an.“ Chimi geht dran.
- Sie zu mir: „Morgen?“ Ich: „Gern.“ Sie: „Passt!“
- am nächsten Tag mit Chimi und Jamie ins Tiger’s Nest
- dort zufällig dem Hodltrainer Alex von Frankenberg über den Weg gelaufen

Das Taktshang („Tigernest“), buddhistisches Kloster, heilige Stätte und Wahrzeichen Bhutans, das auf einer Höhe von 3120 Metern im Himalaya liegt. Es geht die Legende, dass zufällige Begegnungen hier bedeutungsvoll sind….

König und Königin von Bhutan, Jigme Khesar Namgyel Wangchuck und Jetsun Pema Wangchuck.
- in einer Kneipe in Paro zufällig den britischen Botschafter von Bhutan und seinen Vorgänger kennengelernt
- ihm alles Mögliche über mich erzählt (*)
- er fand, das solle ich auch mal dem König erzählen
- Ich: „Wann?“ Er: „Morgen.“
- am nächsten Tag König und Königin alles Mögliche über mich erzählt
(*) Herzöffner war wie so häufig in der Vergangenheit die Info, dass ich meine Uni verklagt habe -> Die schwarze Kali
- Gelegenheit genutzt, meine Visitenkarte mit einem Foto, auf dem ich mein Lieblings-T-Shirt mit Schimanski-Konterfei trage, dem König zu überreichen, der versprach, sie seinem Sekretär zu geben
- Schon allein weil Schimmi durch die Hosentasche des Königs von Bhutan seinen Weg auf den Schreibtisch seines Sekretärs gefunden hat, hat sich diese Reise gelohnt!
- Ich betrachte damit meine Mission als erfüllt, und dem Weltfrieden steht nichts mehr im Wege.

Schimmi-T-Shirt.
Und jetzt nochmal in lang und seriös
Schon seit ewigen Zeiten wollte ich nach Bhutan, dem kleinen Königreich im Himalaya. Einerseits weil es Ende der 1970er Jahre den Begriff des Bruttonationalglücks dem des Bruttoinlandsproduktes gegenüberstellte und seitdem als „glücklichstes Land der Welt“ bezeichnet wird.
Andererseits weil das ikonische Bild des Tigernests mich schon immer magisch angezogen hat. Immer mal wieder hatte ich die Idee, das Land zu besuchen, schreckte dann aber auch immer wieder vor dem Aufwand zurück, die Reise lang im voraus planen zu müssen. Denn da Bhutan sich auch nachhaltigen Tourismus auf seine Fahnen geschrieben hat, benötigt jeder Besucher einen Führer als Begleitung, um sich im Land bewegen zu können, und darum muss man sich beizeiten vor Reiseantritt kümmern.
Der Fokus auf Glück, kulturelle und spirituelle Werte anstelle von lediglich materiellem Wohlstand geht weit in die Geschichte des Landes zurück und fußt in dessen Buddhistischer Tradition. Der Begriff des Bruttonationalglücks ist aus einer eher flapsigen Antwort des vierten Königs von Bhutan, Jigme Singye Wangchuck, (Vater des amtierenden Königs Jigme Khesar Namgyel Wangchuck) auf die Frage eines Journalisten nach der Höhe des Bruttoinlandsproduktes seines Landes entstanden, auf die er antwortete, dass das Bruttonationalglück wichtiger sei als das Bruttoinlandsprodukt. Erst viele Jahre später wurden bspw. Fragebögen entwickelt, um das Konzept des Bruttonationalglücks messbar zu machen, und entsprechende Aufgabengebiete wurden in Regierungsstrukturen integriert.

Mönch im Dungkar Dzong (s.u.)
Nun trug es sich im letzten September zu, dass ich mal wieder ein Video von Niko Jilch sah, der einen der bekanntesten YouTube-Kanäle zum Thema Bitcoin betreibt. Und in diesem berichtete er über das Innovation Forum, das einige Tage später in Bhutan stattfinden sollte.
Ich war wie elektrisiert, schaute mir unmittelbar das Programm des Innovation Forum an und wusste so gewiss, wie nur irgendetwas in diesem Universum gewiss sein kann, dass ich dorthin musste. Denn die Themen lasen sich etwa wie folgt: Mindfulness, Compassion, Peace, Art, Blockchain, AI, Innovation etc. Kurzum, es sollte um genau diejenigen Themen gehen, die mich am meisten umtreiben, wie etwa Kunst, Bitcoin und Spiritualität.

Zu diesem Zeitpunkt war Bhutan ohnehin gerade in den Bitcoin-Schlagzeilen, weil kurz zuvor berichtet wurde, dass dieses Land eine bedeutende Reserve von etwa 13.000 BTC angespart hat und seit 2019 selbst fleißig Bitcoin mint, während es gleichzeitig als einziges Land der Welt CO2-neutral wirtschaftet. Die Bitcoin werden durch Wasserkraft geschürft, denn diese steht dem Land durch etliche Flüsse, die aus dem Himalaya herabfließen, im Übermaß zur Verfügung. Mehr zu diesen Themen kannst du dem Bericht von Alex von Frankenberg im Bitcoin-Magazin entnehmen.
Das Foto zeigt die Pferde des Königspaars vor dem Dungkar Dzong.
Das Innovation Forum fand im Dungkar Dzong, einem wunderschönen, im Stil einer Klosterburg erbauten Bildungszentrum statt, das etwa 20 km von Paro entfernt in den Bergen gelegen ist. Das Innovation Forum startete mit einer Inaugurationszeremonie („Grand Chibdrel“), die einen Bestandteil enthielt („Jibi Pawo“, Junge Helden), der nur sehr selten aufgeführt wird, und insbesondere nur dann, wenn Großes bevorsteht. Die große Vision, die das Königreich Bhutan für seine Zukunft hat, drückt sich in dem Projekt der Gelephu Mindfulness City aus, das ebenfalls auf dem Forum präsentiert wurde.


Eindrücke vom Konferenz-Gelände.

Die Mindfulness City wird eine Stadt im Süden Bhutans, die nachhaltige Entwicklung, Gesundheit und Wellness, spirituelle Praxis und technologische Innovation miteinander verbinden soll. Ein ökonomischer Hauptfokus liegt auf der Verbreitung von Blockchain-Technologie. So wird etwa Bitcoin-Mining unter „Grüne Energie und Tech-Industrien“ aufgeführt. Die Entwürfe des Planungsarchitekten Bjarke Ingels sind sehr inspirierend und können hier angeschaut werden https://gmc.bt/.
Tag 1 des Innovation Forums.
Hier habe ich zwei Video-Aufzeichnungen vom Innovation Forum eingebunden und gebe dir einige Zeitstempel, wo du Abschnitte findest, über die ich hier berichte.
Video Tag 1
0:22:22 – 0:39:39 Inaugurationszeremonie
1:20:25 – 1:48:00 Matthieu Ricard
2:37:17 – 3:24:50 Bjarke Ingels Planungsarchitekt für Gelephu, Keynote on Building a Mindful City
7:14:13 – 7:54:22 Panel über Mindful Innovation and Entrepreneurship mit Alex v. Frankenberg
Tag 2 des Innovation Forums.
Video Tag 2
5:05:43 – 5:50:36 Panel über Blockchain and Decentralized AI mit Niko Jilch
7:03:00 – 7:10:03, 7:22:00 – 7:26:26, 7:36:04 – 7:41:40 Max Vadukul über seinen Lebensweg
Gleich das erste Panel des Innovation Forum begann mit Matthieu Ricard, dem als „glücklichster Mann der Welt“ bekannten, ehemaligen Wissenschaftler, der schon vor Jahrzehnten zum buddhistischen Mönch transformierte. Neben seinen zahlreichen Büchern hat mich damals am meisten sein Dialog mit Wolf Singer inspiriert („Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog.“). Schön, ihn mal live zu erleben.
In einem ebenso aufschlussreichen Panel ging es darum, wie man beim Verwirklichen seiner Träume etliche Hindernisse überwinden muss. Hier berichtete u.a. der Star-Fotograf Max Vadukul über sein wechselvolles Leben.
Bhutans Bruttonationalglück fußt auf diesen 4 Säulen, die für Erhebungen in weitere Unterkategorien aufgeteilt wurden, wie etwa Zeitnutzung, kunsthandwerkliche Fähigkeiten, soziokulturelle Partizipation, Lebendigkeit der Gemeinschaft, gute Regierungsführung oder ökologische Vielfalt und Resilienz. So ist etwa auch vorgeschrieben, dass 60% der Landesfläche bewaldet sein müssen. Der westliche Begriff des Lebensstandards ist nur einer von 9 Kategorien. Insbesondere aber besitzen Kultur und Spiritualität einen hohen Stellenwert.

[aus Wikipedia: „Bruttonationalglück“]
Diese Reise war nicht nur abenteuerlich für mich sondern auch sehr aufschlussreich. Insbesondere die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen ich dort begegnet bin, hat mich beeindruckt. Ich glaube, dass Bhutan zur Zeit alles richtig macht und als ein Vorbild für andere Länder gelten kann. Ich hatte den Eindruck, dass die Bevölkerung voll hinter der Vision steht, die ihr König seinem Land anbietet und umsetzt. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie genau so umgesetzt werden wird, wie sie geplant ist. Entscheidend ist es, eine Vision zu haben, die die Menschen inspiriert, getreu dem Motto „Wenn du ein Schiff bauen willst, mußt du die Leute nicht zum Baumfällen antreiben, sondern ihre Sehnsucht nach dem Meer wecken“ (Von wem war denn dieses Zitat nochmal?)


Yeshi Choden in ihrem Swiss Cafe.
Swiss Cafe in Paro, mit dessen Inhaberin Yeshi Choden ich einen netten Schwatz hatte. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen in Bhutan ihr eigenes Geschäft führen. Auch das Ersatz-Hotel, in dem Jamie und ich gelandet waren, wurde von einer Frau geführt, die uns sogar einmal eine ganze Strecke Richtung Dungkar Dzong brachte, als unser Shuttle in Paro ausgefallen war.
Die Zeiten stehen gut für diese Vision. Denn jetzt beginnt das Pendel, das Jahrhunderte lang zugunsten des Westens ausgeschlagen ist, sich in die andere Richtung zu bewegen, und die ehemaligen „Entwicklungsländer“ werden eine neue Blütezeit erleben. Der Westen mit seiner einseitigen Ausrichtung auf materielle Werte hat nun definitv seine beste Zeit hinter sich. Das kranke Finanzsystem, das einseitg einige Wenige bevorzugt, ist an seine Grenze gekommen und die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin übernehmen wird, wächst in zunehmendem Tempo.
Jetzt beginnt also nicht nur das Zeitalter eines neuen globalen Finanzsystems sondern auch eine neue Zeit der Spiritualität und Kunst. Bhutan wird sicherlich eines der ersten Länder sein, die diese Vision im großen Stil umsetzt. Noch bevor die USA vor zwei Wochen (Anfang März ’25) eine strategische Bitcoin-Reserve beschlossen haben, hat bereits am 8. Januar dieses Jahres die Verwaltungsregion der Gelephu Mindfulness City ebenfalls angekündigt, Bitcoin in ihre strategische Reserve aufzunehmen -> https://gmc.bt/digitalassets/
Was glaubst du, hilft der Verbreitung des Bitcoin mehr: die materielle Kraft der USA oder die spirituelle Kraft Bhutans? – Schreib’s mal in die Kommentare!

Yaks vor Kirschblüte im Oktober.
Nicht nur das Tigernest, sondern auch der Konferenzort lagen auf einer Höhe, die für unsereins nach einer Woche einen angenehmen Nebeneffekt hatte. Nach der Rückkehr war auf meiner regelmäßigen Radrunde im Donautal Bergauffahren das neue Bergabfahren. Leider hielt der Trainingseffekt nur genauso lange an, wie es brauchte, ihn aufzubauen…
Nicht nur in Punkto Bitcoin ist Bhutan Deutschland nun um Etliches voraus, auch war der Internetempfang im Bhutanischen Himalaya um Längen besser als in der gesamten deutschen Bodenseeregion. – Und besser Englisch sprechen die Bhutanerser auch…
Diese Reise wird mir immer in Erinnerung beleiben. Nicht nur das magische Geführtsein auf den abenteuerlichen Irrwegen oder die Schönheit des Landes und seiner Kultur, sondern auch die Aufgeschlossenheit und Hilfbereitschaft der Menschen und das freundliche Gespräch mit dem Königspaar.

Hauptstraße in Paro.
Ach, und bevor ich es vergesse…
Herzliche Grüße an die Bhutan Baseball & Softball Association!
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Bildnachweise: Headerbild: Jamie, Chimi und Gabi auf dem Weg ins Tiger’s Nest, 2024; Königspaar: Wedding of Jigme Khesar Namgyel Wangchuck and Jetsun Pema, Fair use, 2014; Schimmi-TShirt: Guido Rottmann; Bruttonationalglück: Felix Müller, „Vier Säulen des Bruttonationalglück in Bhutan“, 2021, CC BY-SA 4.0; alle anderen Bilder: GP

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